St. Louis 1904

Die Olympische Familie

Programmheft
Das Programmheft von 1904

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) feierte am 23. Juni 1994 in der Pariser Sorbonne zwar seinen Geburtstag, aber auf den Namen IOC ist es erst am 21. Mail 1901 im Haus des Automobilclubs von Frankreich in Paris getauft worden. Zur Bewältigung seiner Aufgaben trat das IOC 1894 unter dem Namen "Internationales Komitee für die Olympischen Spiele" an. 1897 reduzierten Journalisten diesen langen Titel auf Internationales Olympisches Komitee, und der schwedische Journalist Wolf Lyberg nennt auch ein Datum: 1. August 1897. Es dauerte dann vier Jahre bis zur 4. Vollversammlung 1901 in Paris, als im Protokoll der Sitzung (an der zwölf IOC-Mitglieder teilnahmen) das Komitee sich auf ein Kürzel einigte: CIO = Comité International Olympique (frz.) oder IOC = International Olympic Committee (eng.). Außerdem wurde für die Mitgliederversammlung der Terminus Session eingeführt.

Coubertin versuchte auf den Sessionen 1901 und 1903 in Paris, den Schaden, den die olympische Bewegung durch die katastrophale Durchführung der Pariser Spiele genommen hatte, zu begrenzen so gut es ging. Dabei wurde Chicago erst als Austragungsort der Spiele 1904 aufgrund eines "Geldgeschenkes" in Höhe von 200.000 Dollar an das IOC angenommen. Jedoch gab es wieder Ärger, weil zuerst der Sprecher der Amerikaner, James Sullivan, für Buffalo stimmte, dann weil der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt sich für St. Louis aussprach, da dorthin schließlich auch die Weltausstellung ging. So wurde Chicago die Spiele genommen. Eine Überschrift der New York Times lautete: "Der Fehler von Paris wurde einfach wiederholt".
Dies zeigte sich auch wieder in völlig unkoordinierten Organisation der Spiele. Trotz des Anwuchses auf 32 IOC-Mitglieder hatte keiner das richtige Verständnis für eine Organisation. In einer Vollversammlung Juni 1904 wurde von Seiten Coubertins ein neuer Fehler programmiert: die Spiele 1908 sollten nach Rom. Er selbst hielt es jedoch nicht für nötig, in St. Louis zu erscheinen, sondern besuchte daher lieber die Bayreuther Festspiele. Karl August Gebhardt und Ferenc Kemeny, Gründungsmitglieder des IOC (siehe auch Athen 1896) wurden von ihm zu seinem Stellvertretern ernannt.
Der deutsche Rekordläufer und spätere Präsident der Deutschen Sport-Behörde, Johannes Runge (1878-1950) schrieb in einem Bericht: "Die Aschenbahn, Länge eine Drittelmeile, ist das einzige, was ich loben kann. Alle übrigen Einrichtungen sind sehr mäßig. Am übelsten sieht es im Umkleidelokal aus. Solch einen Raum auswärtigen Athleten, die eine lange See- und Landreise nicht gescheut haben, anzubieten, finden wir einfach skandalös. - Über das Hotel "Inside Inn", wo die Athleten untergebracht waren, berichtet er: "Hotel ist eigentlich zuviel gesagt, großer Holzstall hätte besser gepaßt. Ein ungeheures Holzhaus ohne jeden Schmuck mit 5000 Einbett- und 2500 Zweibettzimmern. Die Zimmer sind schauerlich."